Die ersten Schmetterlinge eingefangen

Sächsische Zeitung vom 21. März 2005

Rietschen. Keramische Handwerkskunst zeigt sich bunt und vielfältig auf dem Töpfermarkt in der Erlichthofsiedlung.

 

„Wenn der Topf aber nun ’nen Loch hat, liebe Liese“, auf das alte Volkslied machen sich die Rietschener „Buchfinken“ ihren eigenen Reim. „Es ist Töpfermarkt in Rietschen“, singen die Männer in Begleitung von Anita Szonn am Sonnabend auf der Erlichthofsiedlung. Ja, wessen irdener Topf ein Loch hatte, der konnte am Wochenende für Nachschub sorgen. 38 Töpfer aus allen Landesteilen hatten ihre Waren zwischen den Schrotholzhäusern aufgebaut – in Erwartung vieler Kunden.

 

38 Töpfer sind gekommen

 

Und die strömen, kaum dass die Kanzlerglocke den Markt eingeläutet hatte. Froh, dass die (Töpfer-)Saison wieder losgeht, zeigt sich auch Susanne Arlet in der Keramikscheune. Über den Winter war es doch sehr ruhig gewesen. Im achten Jahr bietet sie die Töpferwaren in der Scheune an. „Gott sei Dank haben wir Stammkunden. Die haben mal mit einer Tasse bei uns angefangen und kaufen nun immer wieder ein Stück dazu“, so die Töpferin. Zu den Stammkunden gehört die Familie Jahn aus Ruhland. Mutter und Tochter kommen jedes Jahr auf den Töpfermarkt. Auch an diesem Tag sind schon die ersten Sachen gekauft. Ein paar Meter neben der Keramikscheune haben es ihnen Keramik-Ostereier angetan. Beide lassen sich Zeit beim Aussuchen. „Die Männer haben wir zu Hause gelassen“, meinen die beiden Frauen lächelnd – Botschaft verstanden.

 

Gedanken zum Tippelmarkt

 

Derweilen dreht Töpfermeister Günter Meißner hemdsärmlig an seiner Töpferscheibe: „Ich töpfere mich warm. Sehen Sie und schon scheint die Sonne“, meint der Trebuser. Nach dem Markt in Rietschen wird er seine Waren in Moritzburg, Crinitz, Freiberg und andernorts anbieten. „Der Winter war lang genug. Genug Ware ist da“, so Meißner weiter. Außerdem kümmert er sich schon wieder um den nächsten Schlesischen Tippelmarkt,

der am 16. und 17. Juli in Görlitz stattfindet.

 

Peter Krause aus dem thüringischen Hermstedt ist mit seinem Stand erstmals beim Töpfermarkt in Rietschen dabei. Die dunkelblauen Stücke mit den kleinen weißen Punkten im Bürgelstil haben auch ihre Liebhaber. „Bis jetzt hat mich immer dieser zeitige Termin abgeschreckt. Aber wenn ich diesmal einiges verkaufe, komme ich wieder“, erzählt Peter Krause. „Handwerk hat leider keinen goldenen Boden mehr“, meint der Thüringer.

 

Einige Meter weiter bietet ein kleines Mädchen ihre Eigenkreationen an. Die siebenjährige Paulina Reif möchte auch mal Töpferin werden. Damit würde sie in die Fußstapfen ihrer Tante Katrin Najorka treten. Schon den ersten kleinen Elefanten hat die Nachwuchstöpferin schon verkauft. Im Angebot sind beispielsweise noch der Osterhase im Sessel oder eine Schnecke – alles eigene Ideen.

 

Viele Ideen, Kreativität und Engagement – das macht die Erlichthofgaukler aus. Zum großen Erfolg der Laien -Schauspielgruppe hat ihre Chefin Sandy beigetragen. Sie wird seit der Tsunamikatastrophe vermisst. Um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, gestalten die Gaukler in ihrer Spielstätte, der Theaterscheune, einen kleinen Altar. Viele Bilder erinnern an die gemeinsame Arbeit. So mancher Besucher zündet Kerzen an.

 

Viele Helfer im Einsatz

 

Rund 15 Helfer waren mit im Einsatz, um den Markt abzusichern. Tauwetter und Regen hatten dazu geführt, dass einige Tage vor dem Markt mit vereinten Kräften der Händlerparkplatz trocken gelegt werden musste. „Bloß gut, dass es heute nicht regnet“, meint dann auch Marion Girth. Allerdings hätten sich die Töpfer ein paar mehr Plusgrade verdient gehabt. (GEM)

 

Veranstaltungstipp. Ostermontag gibt es Ostertheater in der Erlichthofsiedlung. Um 16 Uhr wird in der Theaterscheune ein Puppenspiel aufgeführt.